Klassenkampf 2.0: Enteignung von Wohneigentum?

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Arnd Rüger
Waschechter Hamburger Jung. Trotz fortgeschrittenem Alter ein großes Spielkind, welches wahrscheinlich auch im Rentenalter noch die neueste Spielkonsole zu Hause stehen haben wird. Der Bitcoin war ein persönlicher Weckruf (wenn auch spät) für das Thema Finanzen.

Aktuell findet eine neue Art von Klassenkampf im Internet statt. Kolja Barghoorn mit seinem Kanal Aktien mit Kopf hat sich vor ein paar Tagen dem Video der Bürgerinitiative „Deutsche Wohnen Enteignen“ angenommen.

Fakt ist, hier prallen zwei unterschiedliche Welten aufeinander, die unversöhnlicher kaum sein können. Auf der einen Seite Kolja, dessen Leidenschaft eben das Investieren in Aktien ist und auf der anderen Seite die Initiative, die sich für bezahlbaren Wohnraum einsetzt, Enteignung von Konzernen fordert und generell gegen die Spekulation mit Wohneigentum ist.

Natürlich könnten wir uns es jetzt leicht machen und zusammen mit Kolja ins gleiche Horn blasen, aber das ist nicht weit genug gedacht. Die Mittel der Initiative mögen radikal sein, aber eben nur mit medienwirksamen Mitteln, lässt sich oftmals ein Problem verdeutlichen.

Inzwischen hat Kolja sogar noch mit einem zweiten Video nachgelegt.

 

Unbezahlbarer Wohnraum = Recht zur Enteignung?

Wohnraum in Großstädten ist zum Großteil unbezahlbar geworden und so wie die Entwicklung derzeit abläuft, kann es nicht weitergehen. Ob aber jetzt Enteignungen der Weisheit letzter Schluss sind, das steht auf einem ganzen anderen Blatt.

Wer sich jedoch mit lautstarken Mitteln Gehör verschafft und der „Keule der Enteignung“ auf Stimmenfang geht, der darf sich nicht wundern, wenn es auch Aufmerksamkeit von der anderen Seite gibt. Viele Finanz-YouTuber haben sich inzwischen der Thematik angenommen und die eigene Community dahingehend animiert, die Kommentare auf dem YouTube-Kanal der Bürgerinitiative zu fluten, so dass diese mittlerweile die Funktion deaktiviert hat.

Kommentare, die man von Seiten von „Deutsche Wohnen Enteignen“ in dieser Form sicherlich nicht auf dem Schirm hatte und so kam es dann auch zu einer wütenden Aussage von einem der Initiatoren, als dieser schrieb:

„Der ganze Abschaum und Bodensatz der Immobilienbosse“

Man kann erahnen, dass sie nicht das Feedback erhalten haben, was erwartet wurde. Wahrscheinlich hatte man sich innerlich auf freudige Menschen eingestellt, die jubelnd in das Lied der Enteignung mit einstimmen. Die Kommentare aber einfach abzuschalten, weil einem diese nicht in den Kram passen, war kein Ruhmesblatt der Initiative.

Zudem macht es sich die Bürgerinitiative auch zu einfach, wenn sie plakativ Enteignung als das beste Mittel anpreist. Die simple Formel:

„Die bösen Konzerne wollen uns nur ausbluten lassen!“

ist zu kurz gedacht.

Was wäre denn, wenn man im großen Stil Wohnungseigentum enteignet? Wer sorgt dann für den Bau von neuen Wohnungen? Der Staat? Na, wie gut der das hinbekommt, haben wir im sozialistischen Experiment namens DDR ja schon gesehen.

Auch die Pflege und Wartung von Wohnraum wird gerne unterschlagen. Es ist ja nicht so, dass eine Immobilie, sobald sie erworben wurde, nur noch eine reine Gelddruckmaschine ist. Sie muss auch gepflegt und modernisiert werden. Hier entstehen Kosten, die gerne bei solchen kommunistischen Fantasien übersehen werden.

Auch sind nicht alle Immobilien- oder Aktienbesitzer gleich Lobbyisten der großen Konzerne, wie es ja ein anderer Traumtänzer gerne bezeichnet, der sich der Illusion hingibt, eines Tages Bundeskanzler zu werden.

Die alte Klassenkampf-Formel Kapital gegen Proletariat zieht nicht mehr Leute!

Eure Videos mögen den Geist der 68er-Generation versprühen, aber die Welt hat sich weitergedreht. Ein einfaches Denken in den Farben Schwarz oder Weiß ist nicht hilfreich. In Zeiten, wo Neobroker den Aktienhandel für einen Euro ermöglichen, kann selbst der Schüler heute Aktien erwerben, ohne gleich ein Kapitalist zu sein.

Das Proletariat muss kapitalistischer werden

Mehr noch, inzwischen ist jeder gezwungen Dinge zu tun, die ehemals als kapitalistisch verpönt waren, um für das eigene Alter vorzusorgen. Da bleibt es nicht aus, dass in Aktien, ETFs oder eben auch in Immobilien investiert wird. Das Sparbuch war vor 40 Jahren vielleicht noch eine Alternative!

Wer erst einmal die Büchse der Pandora mit Enteignungen öffnet, der wird in naher Zukunft weitere Ungerechtigkeiten sehen. Und wo soll es dann aufhören?

Wird dann der alte Rentner enteignet, weil er mit 85 Jahren alleine in seinem Haus wohnt, während eine syrische Flüchtlingsfamilie dringend den Wohnraum bräuchte? Immerhin verbraucht hier ja eine einzelne Person wertvollen Wohnraum!

Provokant?

Nicht weniger als die simple Forderung nach Enteignung!

Denn es sind meist genau solche Dinge, die dann später folgen. Jemand rackert sich sein halbes Leben für halbwegs sicheren Wohlstand im Alter ab und bekommt dann von der sozialistisch angehauchten Gesellschaft einen Tritt in den Allerwertesten. Ist diese zumindest ein wenig sozial, darf er vielleicht am Ende noch in einem Mittelklasse-Seniorenstift verweilen, während sein ehemaliges Eigentum an Bedürftige verschenkt wird.

Wie gesagt, ich akzeptiere die Bürgerinitiative als Instrument für mediale Aufmerksamkeit!

Das Thema Wohnraum in Ballungszentren ist wirklich ein großes Problem.

Jetzt aber ist es an der Zeit, dass die Politik Mittel und Wege findet, die wachsende Kluft zwischen wild wucherndem Kapitalismus auf der einen und berechtigten Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum auf der anderen Seite zu überwinden.

Eine nicht leichte Aufgabe, bei der sich am Ende wahrscheinlich beide Seiten wie Verlierer fühlen werden.

Aber genau für solche gesellschaftlichen Probleme bedarf es guter Politik. Schade nur, dass es diese inzwischen nicht mehr gibt in Deutschland.

 

Wie seht ihr das? Ist die Initiative auf dem richtigen Weg oder steht ihr mehr auf der Seite der Anleger? Wir freuen uns über eine lebhafte Diskussion in unserer Facebook-Gruppe.

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