Tradingpsychologie: Die Verbilligen-Falle

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Arnd Rüger
Waschechter Hamburger Jung. Trotz fortgeschrittenem Alter ein großes Spielkind, welches wahrscheinlich auch im Rentenalter noch die neueste Spielkonsole zu Hause stehen haben wird. Der Bitcoin war ein persönlicher Weckruf (wenn auch spät) für das Thema Finanzen.

Wer den Schritt ins aktive Trading wagt realisiert schnell, dass es so etwas wie den perfekten Einstiegspunkt nicht gibt. Im Gegenteil, fast jeder kennt das Gefühl, als würden die großen institutionellen Anleger nur darauf warten, dass man selbst einen Trade ausführt, um direkt im Anschluss den Kurs in die entgegengesetzte Position zu drücken.

Und eines sei schon jetzt verraten, dieses Gefühl wird keine Eintagsfliege sein!

In der Anfangsphase demotivieren solche Erlebnisse oftmals so stark, dass nicht wenige Trader hier bereits die Flinte ins Korn schmeißen und dem „Abenteuer Geldanlage“ abschwören.

Wer an dieser Stelle jedoch nicht aufgibt, kann schon einmal stolz auf sich sein!

Was nach dieser ersten Erfahrung eines großen Verlustes oftmals folgt, ist der kurze Rückzug in den eigenen Gedankenpalast und die Ausarbeitung eines Schlachtplans, wie man einen solchen Fehler nicht wiederholen wird. Meist kommt dann wenig später der vermeintlich „geniale Einfall“ und man kann vor lauter Vorfreude den nächsten Handelstag gar nicht erwarten.

Der besagte „geniale Einfall“ ist das Verbilligen der eigenen Position.

Angenommen man hat 10 Aktien der Firma XYZ für 5.000 Euro gekauft (Gebühren lassen wir für die Einfachheit jetzt mal weg) und stellt erschrocken fest, dass diese nach wenigen Wochen nur noch 2.500 Euro wert sind. Es steht somit ein Buchverlust von stolzen 50% bei dieser Aktie an. Eine Zahl, die jedem Anleger ganz sicher weh tut.

Jetzt kommt die vermeintlich geniale Idee zum Einsatz. Man kauft noch einmal 10 Aktien von XYZ, zahlt für diese eben nur noch 2.500 Euro und besitzt 20 Aktien, die man insgesamt für einen Durchschnittspreis von 7.500 Euro gekauft hat.

Der Buchverlust beträgt auf einmal nur noch 25% und dieser lässt einen vermeintlich ruhiger schlafen. Denn natürlich ist man überzeugt einen Gewinner im Depot zu haben und 25% Verlust sind doch schneller eingeholt wie 50%, oder?

Was dabei gerne vergessen wird, dieses Spielchen kann kein Anleger unbegrenzt fortsetzen, da eben bei jedem von uns die Barmittel irgendwann ausgereizt sind. Der noch frische Geldanleger gibt sich hier der Illusion hin, dass der Kurs dieser Aktie schon steigen muss. Aber niemand von uns verfügt über eine magische Kristallkugel. Vielleicht bringt ein Skandal besagtes Unternehmen bereits morgen zu Fall und ehe man sich versieht, endet der vermeintlich gute Einfall mit dem eigenen Bankrott oder zumindest für den Totalausfall einer großen Position im Depot.

Und wie oft möchte man einen Wert noch verbilligen?

Hier steht einem nur das eigene Ego im Weg. Niemand gesteht sich gerne ein auf das falsche Pferd gesetzt zu haben und so wird wiederholt so oft verbilligt, wie es die Mittel hergeben. Dabei gibt es ein ungeschriebenes Gesetz:

„Blindes Verbilligen tun nur blutige Anfänger“

Spätestens jetzt sollte jeder erkennen, dass diese Idee viele vor einem hatten. Es ist nicht der „Heilige Gral“ den man hier entdeckt hat. Im Gegenteil, dieser könnte sich am Ende eher als Schierlingsbecher enttarnen.
Allerdings ist nicht alles an dieser Strategie verkehrt. Wie heißt es immer umgangssprachlich so schön:

„Die Dosis macht das Gift!“.

Ein wohlüberlegter Einsatz dieser Technik kann von Vorteil sein. Gerade wenn man eine ausführliche Analyse der Aktie und zudem Chartanalyse betrieben hat, kann es von Nutzen sein den Kauf einer Position von Anfang an in 2-3 Teilkäufen zu tätigen.

Den exakten Tiefpunkt findet kaum jemand und um hier ein paar Prozentpunkte mitzunehmen, bietet sich diese Strategie durchaus an. Allerdings ist dies dann von Anfang an Teil des Plans. Sollte der Kurs jetzt wider Erwarten weiter fallen, sitzt man den Verlust entweder aus oder geht zu einem vorher gesetzten Stoppkurs mit minimalem Minus aus diesem Trade.

Und sollte der Kurs nach dem ersten Teilkauf durch die Decke gehen, profitiert man zwar nicht mit der vollen Summe, aber man erzielt wenigstens Profit damit.

Achtung: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

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