Wasserstoff: Geplatzte Blase oder Chance?

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Vom Hoffnungsträger zum Prügelknaben

Wir befinden uns in aufregenden Zeiten, wo viele der bisherigen Industrien einen radikalen Wechsel vollziehen. Ein Bereich, der seit vielen Monaten quasi als der Heilige Gral des Investments angesehen wurde, ist das Thema Wasserstoff. Auch in der Autoindustrie sah es lange so aus, als wäre es DER große Hoffnungsträger schlechthin. Sowohl Anleger als auch Analysten spekulierten darauf, dass die deutsche Automobilindustrie dem Wasserstoff den Vorzug gibt, da die Amerikaner mit Tesla und Chinesen beim E-Auto aktuell die Nase vorn haben.

Vorteile für die Zulieferindustrie

Ein weiterer Grund für diese Spekulation war natürlich auch die gesamte Automobilindustrie in Deutschland, die ja nicht umsonst als Schlüsselindustrie gilt. Diverse Zulieferer hätten zudem Wasserstoff ebenfalls gefeiert, weil z.B. Verschleißteile in einem Motor ähnlich sind, wie aktuell bei Verbrennern. Fällt dieser Aspekt aber weg, wird es in Deutschland, rund um die Automobilindustrie in den nächsten Jahren div. Insolvenzen hageln.

Pluspunkte für die Umwelt

Zudem ist Wasserstoff schon recht sexy. Er ist ungiftig, lässt sich gut speichern und als Abfallprodukt bleibt am Ende als Abgas simples H²O, also Wasser.

Klingt nach großen Vorteilen, wenn nur aktuell die Herstellung nicht so teuer wäre. Aber je mehr in diesem Bereich geforscht und entwickelt wird, desto schneller hätte man dieses Manko wahrscheinlich überwunden. Kein Wunder, dass die Fantasien der Anleger keine Grenzen kannten. Allerdings wurde manchem auch Angst und Bange angesichts der utopisch steigenden Aktienpreise. Manch Analyst zog hier schon den Vergleich zur Dotcom-Blase Anfang des neuen Jahrtausends.

Negativpunkte für die Umwelt

Jedoch darf man nicht verschweigen, dass noch im Jahr 2020 fast 98% des verwendeten Wasserstoffs auf Basis von fossilen Energieträgern produziert worden ist. Erst wenn dieses Problem wirkungsvoll gelöst werden kann, hätte die Industrie eine echte Chance.

Denn die nur auf den ersten Blick umweltfreundlicheren E-Autos beziehen ihren Strom ja ebenfalls nicht nur aus rein ökologischer Produktion. Deren Anteil ist aber natürlich trotzdem deutlich höher als beim derzeit verwendeten Wasserstoff.

Für den Individualverkehr sieht es daher aktuell eher schlecht aus. Anders hingegen bei Fahrzeugen aus dem ÖPNV wie z.B. Bussen, aber auch große Nutzfahrzeuge könnten in Zukunft hiervon profitieren. Es ist auf jeden Fall eine spannende Entwicklung, die man in den kommenden Jahren genaustens verfolgen sollte. Denn wenn es hier zu einem wissenschaftlichen Durchbruch kommt, kann es für viele Wasserstoff-Aktien wieder ganz schnell steil nach oben gehen.

Der große Niedergang

Ab Mitte Januar 2021 begann dann der große Abschwung für die ehemaligen Kursraketen.

Feierten die Kurse bis dato nur einen Höchststand nach dem anderen, traten z.B. die Werte von ITM Power PLC, Plug Power und Ballard Power schrittweise die Reise gen Richtung Süden an. Diese drei wichtigen Unternehmen, sollen stellvertretend für viele andere Vertreter wie z.B. Bloom Energy, Nel ASA, Linde, Nikola, PowerCell, Enapter, Air Liquide uvm. stehen.

Plug Power

Und die Stürze waren teilweise gewaltig. Bei Plug Power, wo aber zudem auch Fehler in den Bilanzen eine gewichtige Rolle spielten, ging es von fast 60 Euro runter auf gut 24 Euro (-60% vom Höchststand).

 



ITM Power PLC

Noch im Januar hatte die Aktie einen Preis von fast 8,50 Euro und hat sich beinahe halbiert und befindet sich jetzt um die 4,50 Euro (-53% vom Höchststand)

 



Ballard Power

Und das Urgestein Ballard Power, für viele war dies wahrscheinlich der erste Wasserstoff-Wert überhaupt im Depot, krachte von fast 35 Euro herunter auf gut 14 Euro (-60% vom Höchststand)

 



Ist jetzt der perfekte Einstiegspunkt?

Es ist fast immer das gleiche Spiel. Nach dem großen Sturm beruhigt sich alles wieder und Märkte beginnen sich seitwärts zu entwickeln. Diesen Eindruck hat man derzeit auch bei den Wasserstoffaktien.

Wer an die Industrie glaubt und das Risiko nicht scheut, findet jetzt vielleicht die Einstiegspunkte, die einem damals verwehrt worden sind.

Trotzdem darf man nicht außer Acht lassen, dass beim Thema Wasserstoff Chance und Risiko schon immer Hand in Hand spazieren gegangen sind.

Wer also einen Teil seines Portfolios auch in spekulative Werte investiert, der sollte vielleicht jetzt mit einer geringen Summe einsteigen. Die Möglichkeiten sind immer noch gewaltig, auch wenn das Thema Wasserstoff in den Medien jetzt erst einmal abgefrühstückt worden ist… oder vielleicht gerade deswegen?


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